| Zwei Spieler (Weiß: Hübner, Schwarz: Kasparow) sitzen im Studio und spielen
Schach. |
1. e2-e4 e7-e5 2. Sg1-f3 Sb8-c6 3. Lf1-b5
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Die erste Minute der Partie ist verstrichen, nichts passiert und die eigentliche
Show beginnt.
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Pfleger: |
"Ja, es ist noch nicht viel passiert, meine lieben Zuschauer.
Das ist alles noch Theorie." |
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Moderator: |
"Das ist ja interessant. Vielleicht ist es für die Zuschauer
auch wichtig zu wissen, was unsere Schachdatenbank ChessBase zu dieser Stellung
meint." |
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Mann am Computer: |
"Ja, wir haben hier im Computer cirka 100.000
Großmeisterpartien der letzten zwei Jahre gespeichert, und ich sehe gerade, dass
es diese Stellung schon einmal gegeben hat." |
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Moderator: |
"Gibt denn die Statistik schon einen Trend aus?" |
Kasparow zieht 3. ... a7-a6
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Pfleger: |
"Eigentlich ist es noch zu früh, glaube ich, etwas zu
prognostizieren." |
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Hort: |
"Hhm." |
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Mann am Computer: |
"Also, rein statistisch hat Weiß in Partien mit dieser
Konstellation nach drei Zügen bisher 63,82 Prozent der Partien gewonnen." |
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Moderator: |
"Das wäre ja ein deutlicher Vorteil für Hübner." |
| Mann am Computer: |
"Aber das ist ja nur rein statistisch. Das kann sich
alles noch ändern." |
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Pfleger: |
"Vlastimil, wie siehst Du denn das Spiel bisher?" |
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Hort: |
"Ja, ich weiß nicht so recht. Aber ich denke, ich würde lieber mit
den weißen Steinen spielen." |
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Pfleger: |
"Das sieht mir bisher nach einer Spanischen Partie aus." |
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Hort: |
"Hhm." |
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Pfleger: |
"Vielleicht wird ja eine verzögerte Abtauschvariante daraus." |
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Hort: |
"Ja, das ist gut möglich." |
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Moderator: |
"Für unsere Zuschauer am Bildschirm. Großmeister Pfleger
meint, Hübner könnte jetzt den Läufer nach a4 ziehen." |
Hübner zieht 4. Lb5xc6
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Pfleger: |
"Ja, das war vorauszusehen." |
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Moderator: |
"Spielt denn eigentlich hier schon die Zeit eine Rolle?" |
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Pfleger: |
"lch glaube nicht." |
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Moderator: |
"Was passiert denn jetzt als nächstes? Was meint denn
Mephisto?" |
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Mann am Computer: |
"Ja, der Computerweltmeister schlägt Kasparow 4. dxc6
vor." |
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Pfleger: |
"Er wird bestimmt mit dem b-Bauern schlagen." |
Kasparow zieht 4. ... d7xc6
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Pfleger: |
"Das war klar." |
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Hort: |
"Hhm. Ja, ich weiß nicht. Die Stellung ist doch sehr unklar." |
Eine halbe Stunde später. Hübner hat mittlerweile zwanzig, Kasparow zehn Minuten
verbraucht. Man befindet sich im 27. Zug; die Stellung ist offen.
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Pfleger: |
"Vlastimil, würdest Du jetzt nicht lieber auch mit den schwarzen
Steinen spielen?" |
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Hort: |
"Ja, ich weiß. Du würdest jetzt ein Bier gewinnen. Aber mir gefällt
die Stellung für Weiß ganz gut. Aber es ist schwierig, hier schon etwas zu
sagen." |
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Moderator: |
"Wie sieht es denn mit der Zeit aus?" |
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Pfleger: |
"Ich sehe gerade, dass Hübner noch knapp zehn und Kasparow noch
gut zwanzig Minuten Zeit hat." |
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Moderator: |
"Wird das denn nicht sehr knapp für Hübner?" |
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Hort: |
"Hhm." |
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Moderator: |
"Was sagt denn überhaupt ChessBase zu der Stellung?" |
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Mann am Computer: |
"Ja, diese Stellung hat es erst ein einziges Mal
gegeben und Weiß hat gewonnen. Rein statistisch also 100 Prozent für Weiß." |
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Moderator: |
"Das wäre ja ein deutlicher Vorteil für Hübner." |
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Pfleger: |
"Kasparow könnte jetzt den d-Bauern vorziehen." |
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Zuruf aus dem Publikum: |
"h6". |
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Pfleger: |
"Nein, h6 geht hier nicht. Das schwächt die Königsstellung zu
stark." |
Kasparow zieht 27. ... h6
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Hort: |
"Hhm, die Stellung ist sehr unklar." |
59 Minuten sind vorbei. Auf dem Brett stehen neben den beiden Königen jeweils
zwei weiße und zwei schwarze Bauern. Hübner hat noch zwanzig, Kasparow noch
vierzig Sekunden Bedenkzeit.
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Moderator: |
"Spielt denn hier die Zeit nicht auch eine große Rolle?" |
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Pfleger: |
"Ja, aber ich glaube, das Spiel dürfte ohnehin gleich zu Ende
sein." |
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Hort: |
"Hhm. Hhm." |
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Pfleger: |
"Was meinst Du denn, Vlastimil?" |
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Hort: |
"Ja, das ist schwer zu sagen. Aber ich glaube, dass Schwarz einen
kleinen Vorteil hat." |
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Pfleger: |
"Du würdest also lieber mit den schwarzen Steinen spielen." |
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Hort: |
"Ja, im Moment schon. Doch die Stellung ist immer noch unklar." |
Im Hintergrund reichen sich Kasparow und Hübner die Hände. Remis. Das Publikum
ist begeistert und applaudiert euphorisch den Kommentatoren. |