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Pressespiegel SV Görlitz 1990

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Nicht ohne mein Plüschtier

Schülerin vom Curie-Gymnasium gehört zur deutschen Schach-Elite

Katharina Weiß
Katharina Weiß war 46. bei der Jugend-Weltmeisterschaft und ist nun auf dem Sprung in die Deutsche National-Mannschaft. Foto: P. Wilhelm

Als eine von vier Deutschen durfte die zwölfjährige Görlitzerin Katharina Weiß zur Jugend-Schachweltmeisterschaft nach Griechenland reisen. Der Sachsenmeistertitel in ihrer Altersklasse war die Fahrkarte dazu.

Du bist am Sonntag von Kreta zurückgekommen. Mit welchem Erfolg sind für dich die Internationalen Titelkämpfe zu Ende gegangen?

Von den 88 Mädchen in meiner Altersklasse U12 habe ich den 46. Platz belegt. Mit 5,5 Punkten aus den elf Runden bin ich die fünftbeste Westeuropäerin geworden. Mit diesem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, weil ich meine Zielstellung, einen guten Mittelfeldplatz zu belegen, erfüllt habe.

Welche Länder sind denn dominierend im Nachwuchsbereich? Bei den Erwachsenen weiß man ja, dass gerade die Russen die Titel hamstern.

Das ist bei den Kindern und Jugendlichen ähnlich. Aber auch aus den ehemaligen russischen Republiken, China und Indien kommen viele hoffnungsvolle Talente. Das ist deswegen so, weil dort die Jungen und Mädchen sofort auf Internate kommen und wöchentlich mindestens 30 Stunden trainieren müssen.

Und wie sieht das bei dir aus?

Weil mein Vati auch Schachspieler ist, habe ich schon seit meinem vierten Lebensjahr mit Schach zu tun. Seit ich sechs bin, spiele ich im Verein. Dazu gehört natürlich, dass ich auch üben muss. Pro Woche passiert das zweimal für je zwei Stunden beim Schachverein Görlitz und wenn ich Lust habe, auch zu Hause. Allerdings sitzt man dann nicht nur am Brett, sondern büffelt auch mit Lehrbüchern, in denen verschiedene Taktikaufgaben zu lösen sind. Aber spielen tu ich schon am liebsten.

Der Auftakt bei der Weltmeisterschaft aus deiner Sicht war ja überaus positiv. Gleich in den ersten Partien hast du deinen Gegnerinnen die Punkte abgeknöpft. Wie ging es weiter?

Taktisch waren diese Erfolge überhaupt nicht gut. Weil ich so erfolgreich war, musste ich danach gegen die Favoriten ran. Die kamen aus China, Norwegen und Australien. Da war kaum was zu holen.

Wie war denn die Atmosphäre bei den Titelkämpfen, wenn 800 junge Leute aus 71 Ländern zwei Wochen lang nur die Köpfe rauchen lassen?

Aufgrund der Sprachprobleme wechselt man mit den Gegnern eigentlich kaum ein Wort. Die Chinesin beispielsweise hat versucht, mich mit einem besonders grimmigen Gesichtsausdruck zu verunsichern. Aber es gibt auch ganz Nette. Denen überreicht man dann Ansichtskarten aus der Heimat.

Wenn du in zwei Wochen elf Partien Schach gespielt hast, kannst du dann die schwarzen und weißen Steine jetzt noch sehen? Wie anstrengend ist denn so ein Turnier?

Ein Spiel dauert mindestens drei Stunden. Und das, obwohl die Bedenkzeit schon gekürzt wurde. Etwa 40 Züge werden in dieser Zeit gespielt. Dazu kommen noch die Vor- und Nachbereitung. Über Datenbanken kann man die Spiele der Gegner nachvollziehen und daraus taktische Schlüsse ziehen. Das ist aber meist Aufgabe der Trainer. Ja und die Auswertung der Partien ist natürlich auch sehr wichtig, weil man dort die Fehler noch mal analysieren kann. So verbringt man gut und gerne acht bis zehn Stunden hintereinander am Brett, wo immer volle Konzentration gefordert ist.

Viele Schachspieler machen den Erfolg ihres Spiels von der Wahl der Steine abhängig. Wie ist das bei dir?

Die meisten wollen lieber mit weißen Steinen spielen, weil nach einer Eröffnung weniger Überraschungen möglich sind. Dei der WM wurden die Steine vom Computer ausgelost. Dort musste ich öfter mit den unbeliebteren schwarzen Figuren ran, habe aber merkwürdigerweise mit denen die meisten Punkte geholt.

War daran vielleicht dein Maskottchen Schuld?

Mein Plüschhase „Knickohr" hat mich zu allen Partien begleitet. Eigentlich wollte ich zu jedem Spiel ein Maskottchen mehr mit nehmen. Aber nach der vierten Ansetzung hat die Jury gesagt, dass nun Schluss sei. Also mussten die anderen im Rucksack bleiben. Aber ehrlich gesagt, brauche ich die Maskottchen weniger für mein Glück, als um die Sicht auf mein Brett für die Trainer und anderen Beobachter zu verstellen. Das macht mich nämlich immer nervös.

Es fragte: Carola Gerlach.

Quelle: Sächsische Zeitung vom 29. November 2002

© 2001-2005 Anett Sänger *** Schachverein Görlitz 1990 e. V.
letzte Aktualisierung am 02. Januar 2005