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Pressespiegel SV Görlitz 1990

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Großmeister geärgert, aber nicht vom Thron gestoßen

Jurij Zezulkin gewinnt zum vierten Mal das Äskulap-Turnier / Görlitzer Schachnachwuchs beim Apothekenturnier erfolgreich, Daniel Reimann wird sensationell Zweiter

Das XXI. Äskulap ist Geschichte. Von Mittwoch bis Sonnabend kämpften mehr als 200 Spieler in den vier Turnieren, Äskulap, Apotheken-Turnier, Freizeit-Turnier und Äskulap-Junior um die begehrten Podestplätze.

Von Thomas Liebs

Nachwuchsspieler Daniel Reimann blieb im Apotheken-Turnier ungeschlagen und beendete es punktgleich mit dem Sieger als Zweiter.

Und so spannend wie dieses Jahr war es noch nie, denn die ersten fünf Plätze sollten sich nur in den Feinwertungen unterscheiden. Dabei zeigte sich zu Beginn des Äskulap-Turniers ein gewohntes Bild. Die Titelträger zogen vereint ohne Punktverluste an die Tabellenspitze, unter ihnen auch die top gesetzten Großmeister Jurij Zezulkin und Leonid Voloshin. Doch in der vierten Runde, gegen Halbzeit des Turniers, wandte sich das Blatt etwas. Die schwächeren Spieler probten den Aufstand. Gleich vier Internationale Meister konnten dem nicht standhalten und mussten die Waffen strecken. Insbesondere die jugendlichen Schacheleven des SV Rüdersdorf aus Brandenburg werden den Meistern wohl unangenehm in Erinnerung bleiben.
Auch Großmeister Zezulkin, der bis dato mit vier Siegen glänzte, kam gegen FIDE-Meister Mike Stolz aus Magdeburg nicht über ein Unentschieden hinaus. Doch die Titelträger besannen sich wieder auf ihre Fähigkeiten und verdeutlichten in der anschließenden Runde fünf mehr als deutlich ihre Ambitionen auf den ersten Platz. Dieser ging dann am Sonnabend nach sieben Kräfte zehrenden Runden mit 5,5 Punkten an Großmeister Jurij Zezulkin, der bereits im Vorjahr das Turnier für sich entscheiden konnte. Mit seinem erneuten Triumph zog er mit Andreas Hausschild gleich. Beide haben nun vier Turniersiege auf ihrer Seite. Auf den Plätzen folgen die Internationalen Meister Zbigniew Ksieski und David Lobzhanidze mit ebenfalls 5,5 Punkten.
Ein sensationelles Turnier spielte Günther Jahnel vom SC Hoyerswerda. Er musste sich in den sieben Runden gegen fünf Titelträger zur Wehr setzen, meisterte diese Aufgabe mit nur einer Niederlage bravourös und konnte mit Platz sieben die Phalanx der Meister durchbrechen. Zusätzlich belohnt wurde seine Leistung durch die Erringung einer Titelnorm für einen Internationalen Meister. Nicht so erfolgreich verlief das Turnier für die Starter des heimischen Schachvereins. Bester Görlitzer wurde Marcus Hassa, der mit 3,5 Punkten ein ansehnliches Ergebnis schaffte, doch insgeheim mit mehr gerechnet hatte. Enttäuschend verlief das Turnier auch für Jonas Schindler, der mit einem Remis gegen die Nummer zehn der Setzliste optimal in das Turnier gestartet war, diese Klasse jedoch nicht aufrecht erhalten konnte. Mit drei Punkten belegte er schlussendlich einen mäßigen 66. Platz.

Erfolgreicher verlief dagegen das 2. Apotheken-Turnier für den Görlitzer Schachnachwuchs. Im letzten Jahr aus der Taufe gehoben, um auch den etwas schwächeren Spielern eine Chance auf einen vorderen Platz zu geben, konnte die Teilnehmerzahl mit 56 fast verdoppelt werden. Zweiter wurde überraschend Daniel Reimann vom SV Görlitz. Der erst 13-Jährige, nur an Nummer 26 gesetzt, vollzog einen wahren Triumphzug, bezwang nacheinander top gesetzte Spieler und landete zum Schluss, nach fünf Siegen und zwei Unentschieden und ohne Niederlage, sensationell auf Platz zwei. Mit diesem Erfolg steigert er nach inoffizieller Auswertung seine Wertzahl um mehr als 300 Punkte.
Ebenfalls zufrieden kann Paul Nitsche sein. Obwohl vom Siegertreppchen geträumt, belegte er mit fünf Punkten einen guten siebenten Platz. Etwas enttäuscht zeigte sich Anett Konetzke. Letztes Jahr als Zweite nur knapp am Sieg vorbei, wollte sie es diesmal ganz nach oben schaffen. Doch nach einigen unglücklichen Partieausgängen stand am Ende nur Platz vier zu Buche. Sie alle übertrumpft hat Ralf Rennert vom SV Freital. Der an Nummer eins gesetzte Spieler fand sich auch nach sieben Runden dort wieder.

Zusätzlich zu den beiden Hauptturnieren veranstaltete der SV Görlitz am Karfreitag das Kinderturnier „Äskulap-Junior" sowie das „Freizeit-Turnier" für alle Nichtaktiven Spieler. Im Juniorturnier, das mit 32 Kindern wieder auf sehr gute Resonanz gestoßen war, wurde in zwei Altersklassen gespielt, U10 und U14.
In der AK U10 gewann Christian Gocht vom SC 1994 Oberland. In der AK U14 setzte sich Rene Pescha vom Löbauer SV durch.
Im Freizeit-Turnier konnten 19 Spieler begrüßt werden. Nach hart umkämpften fünf Runden stand auch dort der Sieger fest: Piotr Szumilas aus Polen. Auch der Oberbürgermeister der Stadt Görlitz ließ es sich nicht nehmen, persönlich zur Siegerehrung zu erscheinen und die Gewinner zu beglückwünschen. Er gratulierte Veranstaltern und Organisatoren rund um Günter Pätzold zu einer wieder einmal gelungenen Veranstaltung.

Quelle: Sächsische Zeitung vom 13. April 2004

© 2001-2005 Anett Sänger *** Schachverein Görlitz 1990 e. V.
letzte Aktualisierung am 02. Januar 2005