|







| |

Translate this site

Sportler des Jahres 2006 - Unsere Schachspielerinnen
Drei Damen rücken vor
Das Damen-Team der 2. Bundesliga des Schachvereins Görlitz
von Ullrich Martin
 |
| Die polnischen Spielerinnen Elzbieta Balkiewicz (links) und Dominika
Hermanowicz haben großen
Anteil am Erfolg der Görlitzer Bundesliga-Damen. |
Sie kommen aus Legnica und Wroclaw und heimsen die meisten Punkte für den
Görlitzer Bundesligisten ein. Und das an den ersten drei Brettern. „Ohne unsere
polnischen Spielerinnen könnten wir kaum die zweite Liga halten", sagt
Teamgefährtin Anett Sänger. Die 40-jährige Görlitzerin betont dabei besonders
das Wort „unser". Denn Dominika Hermanowicz, Anna Socha und Elzbieta Balkiewicz
sitzen nicht als Gastspieler am Brett, sondern sind ordentliche
Vereinsmitglieder. „Wir verstehen uns sehr gut. Die Drei zeigen, trotz ihrer
Klasse, keine Überheblichkeit. Jede achtet die Andere." Vereinspräsident
Siegfried Müller bestätigt das und lacht: „Der Teamgeist stimmt. Es gibt keinen
Zickenkrieg. Schließlich sind auch unsere heimischen Damen nicht von Pappe."
Die Gemeinsamkeiten beim königlichen Spiel zwischen deutschen und den
spielstarken polnischen Sportfreunden besitzt eine lange Tradition. Der
Vereinspräsident: „Warum sollen wir in der gemeinsamen Grenz- und Europastadt
solch ein Potenzial nicht nutzen? Elzbieta ist schon acht Jahre bei uns. Zehn
polnische Spieler spielen inzwischen in Görlitz."
Bis nach Wroclaw reichen die Kontakte. Von dort kam vor zwei Jahren Dominika
Hermanowicz, 19 Jahre jung und die Spitzenspielerin. Piotr Kowalak, einst
Spieler und Trainer der Görlitzer Männer, hält die grenzübergreifenden Fäden in
der Hand.
Alle Mädels, die er mitbrachte, sind geblieben. Der besonderen
deutsch-polnischen Zusammenarbeit bedarf es, wenn das Team auswärts spielt. Zum
Beispiel in Hamburg. Anett Sänger: „Treffpunkt für uns Deutsche ist Dresden, für
die Polinnen die Stadtbrücke. Unterwegs verständigen wir uns über Handy. Dann
irgendwo, auf einer Raststätte an der Autobahn, treffen wir uns. Fast auf die
Minute." Und wie klappt es mit der Verständigung während des Wettkampfs, im
Hotel? „In Englisch." Die Rückfahrt ist einfacher. Bis zur nächsten Runde
verständigt sich das Team über E-Mails oder telefonisch. Wieder in Englisch.
Die Damen und ihre Erfolge
 | Verein: Schachverein Görlitz 1990, 118 Mitglieder, davon 75 in acht Mannschaften aktiv. |
 | Kader: Zum Team der 2. Bundesliga beim SV Görlitz 1990 gehören die Damen
Dominika Hermanowicz (aus Wroclaw, mit 19 Jahren die Jüngste), Anna Socha,
Elzbieta Balkiewicz (beide Legnica), Hannelore Neumeyer (Leipzig), Isolde Adam
(Sebnitz) und Anett Sänger (Görlitz). Ersatzspielerin ist Peggy Flemming (Dresden).
|
 | Spielorte: Der weiteste Weg führte die Damen nach Hamburg; der kürzeste nach Guben. |
 | Erfolge: Nach der Neugründung des Vereins 1991/92 erstmals in der 2.
Bundesliga. 1997/98 Abstieg in die Regionalliga. Sofortiger Wiederaufstieg,
seitdem wieder 2. Bundesliga. |
 | Sportjahr 2006: Unter acht Mannschaften in der Staffel 3 der 2.
Bundesliga belegten die Görlitzer Damen einen sehr guten dritten Platz. 2006
wurde auch der Grundstein für den derzeitigen zweiten Platz nach fünf Runden
gelegt |
59 Minuten später begonnen...
... und doch noch ein Remis erreicht. Auf diese besondere Leistung kann
Hannelore Neumeyer (ehemals Liebs) verweisen. Anett Sänger erinnert sich: „Wir
spielten 2. Bundesliga in Dresden. Alle waren wir pünktlich da. Nur Hannelore
nicht. Plötzlich erreichte uns die Nachricht, dass sie zwischen Leipzig und
Dresden mit ihrem frisch gekauften und viel gefahrenen Rover liegen geblieben
ist. Nach vergeblichem Mühen gaben die ADAC-Leute auf und stellten einen
Ersatzwagen. Das brauchte Zeit. Der Spielbeginn war so nicht zu schaffen. Die
Begegnung lief an. Wir hofften, dass Hannelore bald aufkreuzt. Denn das
Reglement besagt, dass nach 60 Minuten ihre Zeit abläuft. Dann geht der Punkt
kampflos an den Gegner ab. Hannelore schaffte es. Sie saß fünf Minuten vor dem
Zeitlimit am Tisch und begann ihre Partie." Trotz fehlender Zeit eine klasse
Leistung.
Quelle: Sächsische Zeitung vom 25. Januar 2007
|